- Sie sind Frauen,
- Sie haben alle (zu verschiedenen Zeiten) in Hildesheim gelebt und
- Sie gehören zu den Töchtern der Zeit.
Mädchen am Mahnmal am LappenbergDie Fraueninitiative Rosenlabyrinth Hildesheim (FRH) führt seit 2022 ehrenamtlich die Arbeit des Frauen-Labyrinth-Projekt Region Hildesheim e.V. weiter, der 2008 und 2014 im Gerstenberg Verlag die Bücher "Töchter der Zeit – Hildesheimer Frauengeschichte aus sechs Jahrhunderten Band I und II" herausgegeben hat. Die darin dargestellten 42 Frauen sind Hildesheimerinnen, die in einer Beziehung zur Stadt und Region Hildesheim standen.
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums wandte sich die FRH mit dem Wunsch, einen Blick in die Zukunft von Mädchen in Hildesheim zu wagen, an den Bereich Jugend der Stadt Hildesheim. Ulrike Dammann (Bereichsleitung) stellte den Kontakt zum KJN her, und die Planung für das Projekt Neue Töchter der Zeit begann.
"Im März habe ich mich mit zehn Mädchen aus dem KJN (im Alter von 10 bis 14 Jahren) auf sechs „Zeitreisen“ zu den oben genannten Frauen in Hildesheim begeben. Diese Ausflüge wurden von der FRH vorbereitet und teilweise von den Autorinnen selbst durchgeführt. So unterschiedlich wie die Lebensgeschichten der Töchter der Zeit waren, so unterschiedlich und bunt sind auch die Mädchen aus dem KJN.
Für mich war es sehr spannend zu beobachten, wie die Mädchen auf die verschiedenen Geschichten und Lebenswege reagierten. Da war Empörung, Mitgefühl, Bewunderung, Staunen und Wissbegierde. Einige Lebensumstände von Frauen aus der Vergangenheit waren den Mädchen gar nicht so bewusst – zum Beispiel, wie schnell eine Frau als Hexe angeklagt werden konnte (Magdalene Kiffle) oder warum Lehrerinnen keine eigene Familie gründen durften (Marie Anne Kunze und Klara Löbenstein). Anderes hingegen ist den Mädchen leider vertraut – etwa Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der Herkunft.
Jede Lebensgeschichte der sechs Frauen hatte eine dunkle Seite. Doch jede von ihnen hat es geschafft, ihr Schicksal anzunehmen und für ihre Wünsche und Träume zu kämpfen – und das mit Erfolg.
In den Osterferien ging es für die Mädchen und mich dann für drei Nächte in das Jugendwanderheim Windmühle in Marienrode. Dort wollten wir uns intensiver mit unserer Gegenwart und Zukunft auseinandersetzen. Neue Töchter der Zeit war dabei unser Arbeitstitel.
Wer bin ich? Wo komme ich her? Wie sieht meine Zukunft aus? Wo möchte ich hin?
Angeleitet durch Ingrid Falk-Pedersen (Kulturwissenschaftlerin und Mitarbeiterin des KJN) wurden wir dazu eingeladen, über unser eigenes Ich nachzudenken und schließlich eine Collage zu gestalten, die unsere aktuellen Gefühle widerspiegelt. Das war gar nicht so leicht, doch alle haben sich auf die Aufgabe eingelassen und konzentriert gemalt, gebastelt und geformt. Kein Bild gleicht dem anderen.
Vorne: Ingrid Falk-Pedersen/KJN, Heidi Linder/FRH, Almut von Woedtke/SO, Silke Fredebold-Baumgarten/SO, Madita Geneit/KJN und Magda Zerrath/FRH. Auf der Treppe: Semanur, Maida, Sabriin, Gizem, Jolina, Hevi, Marlene, Lirianna, SindaSpäter haben wir während einer Traumreise unser zukünftiges Ich kennengelernt. Im Raum wurde es ganz still, und ich konnte spüren, wie die Mädchen immer tiefer in sich und ihre Gedanken versanken. Das Aufwachen aus der Traumreise fiel nicht jedem Mädchen leicht. Einige hatten sich eine bunte Zukunft vorgestellt, in die sie gerne jederzeit wieder eintauchen würden. Diese Zukunftsvorstellungen wurden zur Inspiration.
In Gruppen haben wir Abdrücke unserer Gesichter aus Gips genommen. Mutig waren alle Mädchen bereit, ihr gesamtes Gesicht eingipsen zu lassen – nur zwei kleine Löcher für die Nase blieben offen.
In den folgenden Tagen arbeiteten wir frei an unseren Zukunfts-Ichs weiter oder stiegen in die Performance Art ein. Kerstin Büschges wurde für diese Zeit engagiert und ermutigte die Mädchen, etwas ganz Eigenes zu entwickeln. Neben Tanz und Theater experimentierten sie mit Kostümen und entdeckten dabei neue Seiten und Persönlichkeiten.
Insgesamt war die Zeit sehr intensiv. Nun werden wir im KJN an den Kunstwerken und Performances anknüpfen und diese weiterentwickeln. Die Ergebnisse zu den Neuen Töchtern der Zeit werden am 14. Juni 2026 ab 11:00 Uhr beim Fest der Begegnung im Ernst-Ehrlicher-Park präsentiert. Herzliche Einladung dazu!
Zum Schluss möchte ich Danke sagen:
Danke an die Fraueninitiative Rosenlabyrinth Hildesheim (FRH), dass sie sich an uns gewandt hat. Danke an den Soroptimist International Club Hildesheim (SO), der uns mit einer Spende über 3.500 € unterstützt hat. (Soroptimist International Club Hildesheim ist ein Service-Club für berufstätige Frauen, der sich für Frauenrechte sowie Bildung, Gleichberechtigung und Frieden zum Wohle der Frauen einsetzt.)
Durch euer Engagement konnte ein tolles Projekt für Mädchen entstehen, das über die nächsten Wochen weiterläuft."
Madita Geneit / KJN

